Zum Jahrestag des Hanauer Attentats am 19. Februar: Gemeinsame Erklärung von Main-Kinzig-Kreis und Kommunen

„Ein Tag des Gedenkens, der Mahnung, der Verantwortung und der Hoffnung”

Zum Jahrestag des Hanauer Attentats am 19. Februar: Gemeinsame Erklärung von Main-Kinzig-Kreis und Kommunen

Anlässlich des ersten Jahrestages des rassistisch motivierten Anschlags von Hanau haben die Spitze des Main-Kinzig-Kreises um Landrat Thorsten Stolz, Erste Kreisbeigeordnete Susanne Simmler und Kreisbeigeordneten Winfried Ottmann zusammen mit Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky sowie den Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern der anderen 28 Städte und Gemeinden im Main-Kinzig-Kreis nachfolgende gemeinsame Erklärung herausgegeben:

 

„Der 19. Februar 2021 ist für die Menschen im Main-Kinzig-Kreis ein Tag des Gedenkens, der Mahnung, der Verantwortung und der Hoffnung zugleich.

Gedenken daran, dass am 19. Februar neun Menschen in Hanau einem feigen und unerklärlichen rassistischen Anschlag zum Opfer gefallen sind. Der 19. Februar wird für uns und in der Region ewig mit der Schreckenstat verbunden bleiben. Ein Jahr nach der Tat gedenken wir gemeinsam der Opfer. Sie sind und werden niemals vergessen. Gökhan Gültekin, Sedat Gürbüz, Said Nesar Hashemi, Mercedes Kierpacz, Hamza Kurtović, Vili Viorel Păun, Fatih Saraçoğlu, Ferhat Unvar, Kaloyan Velkov. Ihre Namen stehen für Menschen aus unserer Mitte, die noch viele Träume und Ziele hatten und die gewaltsam aus dem Leben gerissen wurden.

Wir sehen den Schmerz der Familien, die um sie trauern. Wir hören und verstehen die Fragen, die sich für sie noch immer stellen. Die Frage nach dem Warum wird sich nie abschließend beantworten lassen, der Schmerz niemals verschwinden. Unsere Gedanken sind in diesen Tagen bei den Hinterbliebenen. Ihnen gilt unser fortwährendes Mitgefühl. Und unsere Achtung gilt der Hanauer Stadtgesellschaft, die in den schwersten Stunden in der jüngeren Geschichte der Brüder-Grimm-Stadt ein herausragendes Maß an Solidarität, Nächstenliebe und Zusammenhalt gezeigt hat.

Gerade deshalb ist der 19. Februar auch ein Tag der Verantwortung und Mahnung. Eine Mahnung, wachsam zu sein und jeder Form von Gewalt, Hass, Hetze und Menschenverachtung bereits in ihren Anfängen zu begegnen. Dass wir in Deutschland in Frieden, Freiheit, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit leben, ist keine Selbstverständlichkeit. Das müssen wir uns immer wieder vor Augen führen. Wir alle tragen die Verantwortung, eine Gesellschaft aufzubauen, die von Toleranz, gegenseitiger Achtung, Respekt und Menschlichkeit geprägt ist. Das ist eine Verantwortung, die nicht abstrakt ist, sondern jeder Einzelne von uns hat – egal welcher Nationalität, Herkunft, Religion oder politscher Überzeugung er angehört. Die Verantwortung, jederzeit für unsere freiheitlich, demokratische Grundordnung einzutreten. Der Staat, seine Institutionen und jeder einzelne von uns, sind gerade in diesen Zeiten aufgerufen, all jenen mit Entschlossenheit zu begegnen, die entweder aus politischer Verblendung, religiösem Fanatismus oder aus anderen niederen Beweggründen heraus ein anderes Deutschland wollen und unsere Grundwerte mit Füßen treten.

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Der heutige Jahrestag ist zugleich aber auch ein Tag der Hoffnung. Es ist die Hoffnung, dass sich die überwältigende Mehrheit der Menschen in Deutschland klar gegen Gewalt, Hass und Hetze abgrenzt. Vielmehr ist es notwendig, gemeinsam ein Leben zu gestalten, wie wir es uns doch alle wünschen: in Einigkeit und Recht und Freiheit.

So geht von diesem Jahrestag auch ein klares Zeichen gegen Worte des Hasses, der Ausgrenzung und gegen Verschwörungstheorien aus, die zum Nährboden für Taten Einzelner werden können. Die Tat von Hanau führt uns immer wieder vor Augen, was passiert, wenn aus Angst Hass wird: Aus Angst wird Hass und aus Hass wird Wut und Wut führt ganz oft zu unsäglichem Leid.

Es ist deshalb notwendig, aus der Tat des 19. Februar für die Zukunft zu lernen und vor der Vergangenheit nicht die Augen zu verschließen – genau darin liegt auch die Hoffnung dieses Tages.

Wir, die kommunalpolitischen Verantwortungsträgerinnen und -träger appellieren an alle Bürgerinnen und Bürger: Jeder und jede von uns kann im eigenen Umfeld einen Beitrag für ein friedliches Miteinander und einen respektvollen Umgang untereinander leisten. Die Gesellschaft zusammenzuhalten, Menschen zusammenzuführen, anstatt zu spalten – das ist unsere gemeinsame Aufgabe.

Das sind wir den Opfern des 19. Februar, ihren Familien, Angehörigen und Freunden schuldig.”

Quelle: Main-Kinzig-Kreis

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