Frauen ergreifen öffentlich das Wort

Frauen als Freie und Gleiche in den Parlamenten – Gedanken zum 08. März, dem internationalen Frauentag

In welchen Spuren gehen heute Frauen, die sich am 14. März 2021 in Hessen zur Wahl stellen. Welche Ideen greifen sie auf und welchen roten Faden, wenn sie sich kommunalpolitisch engagieren, sich ehrenamtlich für die Stadtgesellschaft einbringen und wählen gehen. Wer sind unsere Wegbereiterinnen, wenn wir politische Verantwortung übernehmen.

Vor ca. 100 Jahren, im Jahr 1919, wurde in Deutschland das Frauenwahlrecht eingeführt. Im selben Jahr fand die Wahl zur verfassungsgebenden Nationalversammlung erstmalig unter Beteiligung von Frauen statt. Über 80 Prozent der wahlberechtigten Frauen gaben ihre Stimme ab. Der Frauenanteil in der Nationalversammlung lag bei 8,7 Prozent. Seitdem ergreifen Frauen öffentlich das Wort.

Die allererste war Marie Juchacz, eine deutsche Sozialreformerin, Sozialdemokratin und Frauenrechtlerin. Sie hatte die Volksschule absolviert und verdiente ihren Lebensunterhalt als Dienstmädchen, Fabrikarbeiterin, Krankenpflegerin und Schneiderin. 1908 trat sie in die SPD ein und wurde mit der Zeit eine gefragte Versammlungsrednerin.

Unter ihrer Leitung wurde im Dezember 1919 die Arbeiterwohlfahrt gegründet; deren Vorsitzende sie bis 1933 war. Marie Juchacz gehörte als einzige Frau dem „Ausschuß zur Vorberatung des Entwurfs einer Verfassung des Deutschen Reichs“ der Weimarer Nationalversammlung an.

Als eine von 37 Frauen wurde Marie Juchacz 1919 in die Weimarer Nationalversammlung gewählt. Am 19. Februar 1919 wurde ihr als erste Frau und Parlamentarierin das Wort erteilt: Ihre Eröffnungsworte fanden Eingang in die Geschichtsbücher.

Meine Herren und Damen!“ (Heiterkeit.) „Es ist das erste Mal, dass eine Frau als Freie und Gleiche im Parlament zum Volke sprechen darf, und ich möchte hier feststellen, ganz objektiv, dass es die Revolution gewesen ist, die auch in Deutschland die alten Vorurteile überwunden hat.“

MARIE JUCHACZ: am 19. Februar 1919 in ihrer Rede vor der Nationalversammlung in Weimar.

 

Nach 1945 werden vier Frauen als Mütter des Grundgesetzes genannt..

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Helene Weber (CDU), die älteste der vier Frauen, hatte bereits an der Weimarer Verfassung mitgewirkt und war im Parlamentarischen Rat als Schriftführerin Mitglied des Präsidiums. Sie war von 1919 bis 1962, unterbrochen nur durch die Zeit des Nationalsozialismus, Parlamentsabgeordnete gewesen und reorganisierte nach 1945 die katholische Frauenbewegung.

Elisabeth Selbert und Friederike Nadig (beide SPD) setzten gegen anfangs heftigen Widerstand, auch aus der eigenen Partei, die Aufnahme des Artikel 3 Abs.2 „Männer und Frauen sind gleichberechtigt.“ im Grundgesetz durch.

Helene Wessel war seit 1946 stellvertretende Vorsitzende der Zentrumspartei und wurde 1949 schließlich zu deren Vorsitzenden gewählt. Sie ist somit die erste Frau in Deutschland an der Spitze einer Partei sowie die erste Fraktionsvorsitzende.

Gemeinsam mit 61 Männern des Parlamentarischen Rates erstellten sie 1948 das Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland. Bei der Schlussabstimmung vom 8. Mai 1949 lehnte Helene Wessel das Grundgesetz jedoch wegen einer unzureichenden Berücksichtigung christlicher Wertvorstellungen und des Fehlens betont sozialstaatlicher Grundrechte ab.

Dass Frauen wählen und sich auf Bundes- Landes- und kommunaler Ebene zur Wahl stellen, ist für uns heute kein Thema mehr. Dass wir aktiv in das politische Geschehen u.a. vor Ort eingreifen, Kommunalpolitik mitgestalten, ist für uns selbstverständlich geworden. Dass wir Ansprechpartnerinnen für die Interessen der Bürgerinnen und Bürger sind, spricht uns keiner mehr ab. Dass wir politische Verantwortung tragen und dafür geradestehen, diese Herausforderung nehmen wir gerne an und ergreifen öffentlich das Wort, so wie Helene Wessel, Friederike Nadig, Elisabeth Selbert und Marie Juchacz.

Quelle: Stadt Nidderau

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